Temu und Shein verrechnen die Schweizer MWST (8.1%) direkt beim Checkout und verzollen unter ihrer eigenen Registrierung. Ihr Paket kommt daher normalerweise ohne MWST-Rechnung und ohne Verzollungsgebühr an. Der Zoll ist ohnehin null — die Schweiz hat ihn 2024 für Industriegüter abgeschafft. Das Einzige zum Prüfen: eine MWST-Zeile auf Ihrem Bestellbeleg.
Was sich am 1. Januar 2025 geändert hat
Das revidierte Schweizer MWST-Gesetz macht grosse Online-Plattformen zum fiktiven Verkäufer für alles, was über sie verkauft wird. Plattformen mit über CHF 100'000 Umsatz aus Kleinsendungen müssen sich für die Schweizer MWST registrieren, sie auf jeden Verkauf verrechnen — ab dem ersten Franken — und die Einfuhr selbst abwickeln. Temu, Shein und AliExpress halten sich alle daran.
Für Sie als Käufer ist das grösstenteils eine gute Nachricht: Der Preis beim Checkout ist wirklich endgültig. Keine überraschende Rechnung, kein gelber Gebührenzettel der Post, kein Warten am Zoll zur Wertabklärung.
Der alte CHF-62-Trick gilt hier nicht mehr
Vor 2025 rutschten Kleinsendungen unter rund CHF 62 unter das MWST-Erhebungsminimum von CHF 5 und kamen wirklich steuerfrei an — ein Grund für den Boom ultrabilliger Marktplätze. Bei Plattform-Bestellungen ist dieser Vorteil weg: Die MWST wird unabhängig von der Bestellgrösse im Warenkorb verrechnet. Die CHF-62-/CHF-193-Grenzen sind weiterhin relevant, aber nur für Shops, die beim Checkout keine Schweizer MWST verrechnen.
So prüfen Sie es auf Ihrem Beleg
- Öffnen Sie die Bestellbestätigung oder die Bestelldetails in der App.
- Suchen Sie eine Zeile wie «MWST», «VAT», «MwSt» oder «Steuer» in Höhe von rund 8.1% des Bestellwerts.
- Bewahren Sie diesen Beleg auf, bis das Paket angekommen ist — er ist Ihr Nachweis, falls doppelt verrechnet wird.
Die Ausnahmen: wann Ihnen doch verrechnet werden kann
- Verarbeitungsfehler. Gelegentlich wird eine Sendung ausserhalb der Plattform-Registrierung deklariert und der Transporteur verrechnet 8.1% MWST plus eine Verzollungsgebühr an der Tür. Zahlen Sie, wenn Sie das Paket wollen, und fordern Sie dann mit beiden Belegen eine Rückerstattung von der Plattform — für deren Support ist das Routine.
- Eingeschränkte oder spezielle Waren. Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik in Mengen oder Elektronik ohne korrekte Kennzeichnung können unabhängig von der MWST eine Kontrolle oder Zusatzkosten auslösen.
- Echte Nicht-Plattform-Verkäufer. Bestellen Sie bei einem unabhängigen ausländischen Webshop (nicht über eine Plattform)? Dann gelten die normalen Regeln — schätzen Sie sie im Rechner.
Die Plattform-Regel hat auch die Strategie «in viele kleine Pakete aufteilen» für Temu-artige Bestellungen beendet — die MWST wird auf den Verkauf erhoben, nicht auf das Paket. Aufteilen war ohnehin nur für den Grenzprozess relevant, und Plattform-Pakete durchlaufen ihn nicht.
Häufige Fragen — Temu & Shein
Zahle ich in der Schweiz Zollgebühren auf Temu-Bestellungen?
Normalerweise nein — die MWST wird beim Checkout verrechnet und die Plattform verzollt. Der Zoll auf Industriegüter ist seit 2024 null.
Gilt dasselbe für Shein?
Ja, identischer Mechanismus: MWST im Warenkorb, die Plattform wickelt die Einfuhr ab, nichts an der Tür.
Was, wenn mir bei der Zustellung nochmals verrechnet wird?
Bewahren Sie die Transporteur-Rechnung plus Ihren Bestellbeleg mit der MWST auf und fordern Sie die Rückerstattung beim Plattform-Support. Das ist ein bekannter, routinemässiger Vorgang.
War Temu vor 2025 steuerfrei?
Kleine Bestellungen unter rund CHF 62 waren es faktisch. Die Plattform-Regel hat das beendet — die MWST gilt nun ab dem ersten Franken, erhoben beim Verkauf.